Erstes Supermarkt-Hotel Europas entsteht in Neuwied
Die Idee klingt schon etwas ungewöhnlich: ein Hotelzimmer, in dem der Gast von Tütensuppen-Werbung umgeben ist.Alternativ darf er auch in Bettwäsche mit Süßwaren-Aufdruck träumen oder umgeben von Bierreklame. Möglich werden soll dies in einem sogenannten «Food-Hotel», das im Sommer kommenden Jahres in Neuwied eröffnet wird und nach Betreiberangaben einzigartig in Europa sein soll. Nach der Fertigstellung des Neun-Millionen-Projektes sollen ab Juli 2010 insgesamt 115 Zimmer zur Verfügung stehen.
Getragen wird dieser ungewöhnliche Beherbergungsbetrieb vom Verein Mittelständischer Lebensmittelfilialbetriebe und von der Bundesfachschule des Lebensmittelhandels, die ihren Sitz in Neuwied hat. Deren Leiter Thorsten Fuchs ist davon überzeugt, dass das Themenhotel ein voller Erfolg wird: «Wir gehen von bis zu 25 000 Gästen pro Jahr aus», sagt er. Alleine 6000 Schulungsteilnehmer aus dem Lebensmittelhandel kommen Fuchs zufolge jährlich zu Weiterbildungen nach Neuwied und bräuchten angemessene Übernachtungsmöglichkeiten.
«Da lag das Thema Supermarkt für ein Hotel doch ganz nahe», meint Fuchs. Viele Händler identifizierten sich doch mit den Marken, die sie verkaufen. Eine entsprechende Ausstattung der Zimmer vermittle «ein Stück Vertrautheit und Geborgenheit».
Aber auch ganz normalen Gästen soll das Hotel in der 4-Sterne-Kategorie zur Verfügung stehen. «Es kann sein, dass es anfangs etwas schrill wirkt», sagt Fuchs. Aber die bunte Markenwelt löse auch positive Reize aus. Die Gäste begegneten hier Markenprodukten, die sie kennen und mögen. Und wenn den Gästen dann plötzlich der Sinn nach Naschereien stehe oder der Bierdurst quäle, können sie die Objekte der Begierde auch direkt im «Food-Hotel» kaufen.
Aber auch vieles andere wird in diesem ungewöhnlichen Übernachtungsbetrieb dann tatsächlich an einen Supermarkt erinnern. In den Hotelgängen werden Metallregale mit Supermarktprodukten aufgebaut sein. Als Sitzmöglichkeiten dienen Einkaufswagen. Die Frühstücksbrötchen müssen mit den typischen Selbstbedienungszangen aus den entsprechenden Verkaufsbehältern geholt werden. Die Rezeption ist dem Kassenbereich eines Lebensmittelmarktes nachempfunden.
Für Neuwieds Oberbürgermeister Nikolaus Roth (SPD) wird mit dem Hotel gar ein «touristischer Quantensprung» erfolgen. «Zumal dann endlich ausreichend Hotelkapazitäten in Neuwied zur Verfügung stehen», sagt Roth. Gleichzeit werbe das «Food-Hotel» für die Stadt, mit der Möglichkeit, «einmal in einem ganz ungewöhnlichen Umfeld übernachten zu können».
Auch Schulleiter Fuchs rührt für das Projekt kräftig die Werbetrommel. Ein erstes Modell eines Hotelzimmers wird bereits auf den großen Messen der Nahrungsmittelindustrie, etwa in dieser Woche auf der Anuga in Köln, gezeigt. Schon jetzt gebe es eine Vielzahl von Anfragen nach Übernachtungsmöglichkeiten, sagt Fuchs. Die Menschen liebten nun mal die Kombination von Außergewöhnlichem und zugleich Vertrautem.
(ddp/travelpedia)
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