Weinwandern im sächsischen Elbland
Nur ein «Katzensprung» ist es vom Elbufer bis Schloss Proschwitz. Und doch muss sich der Wanderer Stufe um Stufe auf den gleichnamigen Berg emporarbeiten, bis er, umgeben von Rebstöcken, mit einem lohnenswerten Ausblick auf die Meißner Albrechtsburg belohnt wird. Der mächtige rote Granitfelsen wird von einer sechs Meter dicken Lößschicht bedeckt – ideale Bedingungen für den Proschwitzer Prädikatswein. Nach der Wende hatte Prinz Georg zur Lippe den 1945 enteigneten Familienbesitz Stück für Stück zurückgekauft und ein renommiertes Weingut daraus gemacht.
Auch der sächsische Weinwanderweg führt an dem eher versteckt liegenden Schloss Proschwitz vorbei. Nur wenige Wanderkilometer entfernt, im schlosseigenen Weingut Zadel, können sich Besucher mit den Proschwitzer Weinen und Likören eindecken oder an einem der – wenn auch schon Monate zuvor ausgebuchten – Weinabende teilnehmen.
Der Weinwanderweg gilt freilich im Vergleich zur parallelen, schon seit 1992 bestehenden sächsischen Weinstraße als noch nicht etabliert. Der Tourismusverband Sächsisches Elbland weist freimütig darauf hin, dass der Weinwanderweg nur zurückhaltend beworben werde.
Der Grund: «Die geplanten Infotafeln fehlen leider aus finanziellen Gründen immer noch», sagt Marketingmitarbeiterin Kerstin Oefler. So ist der Weinwanderweg fünf Jahre nach Eröffnung noch unzureichend ausgeschildert. Bis Ende 2010 soll Abhilfe geschaffen sein. Ohne Kartenmaterial sei die Orientierung bislang schwierig, räumt Oefler ein.
Wer dieses hat, kann auf sechs Tagesstrecken von jeweils rund 15 Kilometern von Pirna über Dresden, Radebeul bis nach Diesbar-Seußlitz gelangen. Auf der letzten Etappe ab Meißen lässt sich die Qualität der durchwanderten Weinberge in regelmäßigen Abständen in Straßenwirtschaften testen. Hier ist das Kernland des kleinsten der dreizehn deutschen Weinbaugebiete mit über 800-jähriger Tradition.
Müller-Thurgau, Riesling und Weißburgunder sind die häufigsten der insgesamt 48 Rebsorten, die auf nur 447 Hektar angebaut werden. Der Spruch von Sachsenkönig August dem Starken, man müsse dem sächsischen Wein immer noch ein paar Löffel Zucker zugeben, damit er genießbar sei, ist inzwischen längst überholt. Auch dunkle Rotweine wie Grau- und Spätburgunder oder Dornfelder werden in diesem nordöstlichsten Weinbaugebiet Europas angebaut und haben sich mit Geschmack und Qualität einen internationalen Namen gemacht.
An diesem Wochenende laden 28 Weingüter an 36 Veranstaltungsorten zu den Tagen des offenen Weingutes in Sachsen ein. Die Tage des offenen Weinguts finden zum zehnten Mal statt, die Veranstalter rechnen mit mindestens 10 000 Gästen. Einige Weinbauern wollten ersten Federweißer ausschenken. Für diesen Traubenmost bauen die sächsischen Winzer extra die frühe Sorte «Solaris» an, die bereits reif ist. Die Lese der Trauben für den klassische Weinausbau beginnt in Sachsen voraussichtlich Mitte September. In diesem Jahr erwarten die Winzer wegen Frostschäden geringere Erträge als üblich.
(ddp/travelpedia)
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