Rügen mit dem Elektrofahrrad erkunden

Maria Stolowski sieht sich selbst nicht unbedingt als eine begeisterte Radfahrerin. Lange, anstrengende Strecken auf dem Rad kommen für sie schon wegen eines kleinen Knieproblems nicht in Frage, sagt die 20-Jährige. Aber in diesem Urlaub wolle sie die Ostseeinsel Rügen auf dem Bike erkunden. Also hat sie das Auto in Binz stehen lassen und sich zusammen mit ihrem Freund zwei Elektrofahrräder gemietet. Nach kurzer Einweisung schwingen sich die beiden auf die Fahrgestelle, drücken den Power-Knopf, stellen die Motorkraftunterstützung ein und treten in die Pedale.

«Das E-Fahrrad sei eindeutig auf dem Vormarsch», sagt Caren Bakker von der Tourismuszentrale Rügen, die das erste ostdeutsche Projekt der Betreiberfirma movelo aus Bad Reichenhall unterstützt. «Wir wollen damit auch Urlauber, die für gewöhnlich eher nicht in den Sattel steigen, dafür gewinnen, das Auto einfach mal stehen zu lassen.» Über die ganze Insel verstreut haben inzwischen 34 Betreiber von Verleih- und Akku-Wechselstationen ein nahezu flächendeckendes Netzwerk geknüpft, das ab Freitag (7. Mai) den Rügen-Urlaubern entspannte Radausflüge ermöglicht.

Vorerst rollen etwa 80 nagelneue Elektrofahrräder über Deutschlands größte Insel. «Noch vor Jahresfrist kommen mindestens 40 weitere hinzu», versichert Verkehrsplaner Jörn Kolbe, der in Sassnitz die Verleih- und Servicezentrale betreibt. Die jeweils 2500 Euro teuren Räder des Schweizer Pedelec-Spezialisten bitec würden von movelo zu einer attraktiven Leasingpauschale an die Verleiher geliefert, Ersatz-Akkus, Vollkasko-Versicherung und Reparaturgarantie inklusive. Wer sich auf Rügen ein sogenanntes Pedelec (Pedal Electric Cycle) ausleihe, zahle dafür etwa 18 bis 20 Euro pro Tag. Für die Branche ergebe sich damit ein durchaus attraktives Geschäft, findet Kolbe.

Zum Netzwerk gehören nicht nur Fahrradhändler. Für das Projekt haben die Planer auch Hoteliers, Tourismusunternehmen wie das Stralsunder Freizeitbad Hansedom, Verkehrsunternehmen und sogar Künstler gewinnen können. Viele von ihnen locken mit zusätzlichen Rabatten. Die Weiße Flotte zum Beispiel will künftig movelo-Räder kostenlos an Bord nehmen. Damit könnten die Gäste zum Beispiel preiswert attraktive Ausflüge nach Hiddensee oder Wittow unternehmen, sagt Kolbe, der insgesamt etwa zehn besonders schöne Rundkurse zusammengestellt hat.

Viele Anbieter wollen zudem die Akkus bald auch nur noch mit regenerativen Energieträgern aufladen. Bauer Holger Kliewe etwa, der in Mursewiek Urlaub auf dem Lande anbietet und auch Pedelecs vorhält, will in Sonnenkollektoren und in ein kleines Biogaskraftwerk investieren. Auf diese Weise würden die E-Bikes dann wirklich völlig CO2-neutral und umweltschonend über Rügens insgesamt 600 Radweg-Kilometer surren, sagt Kolbe.

Urlauberin Stolowski hat ihr erster Radausflug jedenfalls gefallen. Zwei Stunden nach ihrer Abfahrt aus Binz steigt sie am Informationszentrum an Rügens Königsstuhl vom Sattel. Die 24 Kilometer lange Fahrt entlang der Küste, durch Sassnitz und die Stubnitz habe sie problemlos bewältigt. «Fantastisch», schwärmt sie.

«Es fuhr sich so angenehm leicht und entspannt. Immer wenn es bergauf ging und schwieriger wurde, hat der Motor ordentlich Schub geleistet.» Während sie nun mit ihrem Freund die Ausstellung besichtigt, lassen die beiden in der Servicestation am Kreidefelsen die Akkus der Fahrräder aufladen – vorsorglich, denn eigentlich reicht die volle Ladung je nach eigenem Muskelkrafteinsatz für 30 bis 80 Kilometer.

(ddp/travelpedia)

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Datum: Mittwoch, 5. Mai 2010 10:32
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2 Kommentare

  1. 1

    Weitere Infos:

    Elektrofahrräder erfreuen sich seit 2005 zunehmender Beliebtheit. Bundesweit wurden nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) 2009 rund 150 000 sogenannte Pedelecs (Pedal Electric Cycle) verkauft. Einer Studie des ADAC zufolge bieten Hersteller inzwischen ausgereifte Modelle vom Preisbrecher für 600 bis zum Hightech-Rad für über 4000 Euro an.

    Mit dem bis zu 25 Stundenkilometer schnellen Elektro-Fahrrad kann man mit eigenen Kräften und unterstützt durch einen etwa 250 Watt starken Elektromotor auch weite Wege und steile Bergstraßen spielend zurücklegen. Die Zuschaltung beträgt bis zu 150 Prozent der eigenen Muskelkraft. Je nach Inanspruchnahme des Zusatzantriebs können auf diese Weise 30 bis 80 Kilometer gefahren werden. Die etwa 2,5 Kilogramm schweren Akkus werden innerhalb von zwei bis vier Stunden an einer Steckdose aufgeladen.

    (ddp/travelpedia)

  2. elektrofahrrad24.de
    Donnerstag, 6. Mai 2010 8:19
    2

    Hallo,
    ein guter Artikel. Die Flyer Elektrofahrräder kommen allerdings von der Firma BIKETEC AG, bzw. dem Tourismus-Ableger movelo. Übrigens gibt es ab 2010 bei Flyer sogar 15 Ah Akkus, mit denen gerade in flacheren Regionen wie Rügen 100 km zu schaffen sind, die aber ca. 3,9 kg wiegen. Die bekommt man aber gut weg.
    Grüße, Elektrofahrrad24.de

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