Reisende reagieren weitgehend gelassen auf Schneechaos am Flughafen Frankfurt

Viele Passagiere haben die Nacht auf dem Flughafen in Feldbetten verbracht, andere haben sich auf einem Gepäckwagen ein Schlafquartier eingerichtet oder auf Sitzbänken Quartier bezogen: Der Winterbruch hat am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main für einen Ausnahmezustand gesorgt, der Flugverkehr wurde in der Nacht zum Dienstag komplett eingestellt. Die drei Start- und Landesbahnen wurden zwar am Dienstag um 6.00 Uhr wieder freigegeben, doch der Betrieb normalisiert sich nur langsam.

Vor den Abflugschaltern warten am Mittag noch immer mehrere hundert Reisende auf ihren Check-in. Trotz der Strapazen nehmen die meisten die Situation gelassen.

 

   Das Winterwetter hatte den Betrieb am Flughafen am Montagabend gegen 22.45 Uhr lahmgelegt. Die Fraport-Mitarbeiter kamen gegen Schnee und Eis nicht mehr an. Die erste Start- und Landebahn konnte gegen 2.45 Uhr wieder freigegeben werden, die beiden anderen waren erst gut drei Stunden später wieder nutzbar. Insgesamt fielen 229 Flüge aus, 8000 Passagiere waren damit zum Warten gezwungen. Über die Hälfte wurde mit Bussen und Taxis in umliegende Hotels gebracht, andere mussten wegen des Verkehrschaos bereits auf dem Weg zum Flughafen einen unfreiwilligen Zwischenstopp einlegen. Fraport stellte für die Wartenden rund 1000 Feldbetten in beiden Terminals auf.

 

   Die Touristin Ingrid Buske aus Kaiserslautern ist dennoch entspannt. Sie wollte am Montagabend gemeinsam mit einer Freundin und circa 120 weiteren Mitreisenden von Saarbrücken aus nach Antalya fliegen. Weil der Flug annulliert wurde, sollte die Gruppe in Frankfurt starten. Der Bus, der sie von Flughafen zu Flughafen bringen sollte, kam in der Nacht jedoch nur bis Darmstadt. Dort checkte die Gruppe gegen 2.00 Uhr in einem Hotel ein. «Wir waren froh, dass wir bei dem Schnee überhaupt heil ankamen», sagt Buske.

 

   Am Morgen ging es dann weiter nach Frankfurt. Seit 10.00 Uhr stehen die Frauen nun vor verschlossenen Abflugschaltern. Ob ihre Maschine wie geplant starten wird, wissen sie nicht. Buske hat dennoch Verständnis für das lange Warten. «Es kann ja niemand etwas dafür», sagt sie. An der Organisation des Transports sei jedenfalls nichts zu kritisieren. Ihre Bekannte stimmt zu: «Es hätte viel schlimmer kommen können, wir hatten ja immerhin noch unsere Koffer dabei.»

 

   Seit mehr als 30 Stunden nur mit Handgepäck unterwegs sind hingegen 21 Schüler aus Montpellier. Die 16- und 17-Jährigen lungern vor dem Lufthansa-Check-In auf dem Boden. Die Hoffnung, dass sie noch am Dienstag zu Hause ankommen, haben sie mittlerweile aufgegeben.

Gestartet seien sie am Montagmittag mit siebenstündiger Verspätung in Peking, erzählt die Lehrerin Yé Yuan, die die Klasse auf der Sprachreise nach China begleitete.

 

   «Wir wissen nichts», sagt die Schülerin Laeticia Massing. An ihr Gepäck wolle sie lieber gar nicht erst denken, das sei seit dem Start in Peking verschwunden. Genervt wirken die Jugendlichen trotzdem nicht. «Wir sind müde, ja, aber schlecht umsorgt fühlen wir uns nicht», sagt die 17-jährige Rosalie Gonzales. Eine Lufthansa-Mitarbeiterin habe Schokoriegel und belegte Brötchen verteilt, das Hotel habe vier Sterne gehabt und sei «super» gewesen.

 

   Dem Fraport-Sprecher zufolge reagierten die Passagiere angesichts des extremen Wetters insgesamt «sehr gelassen» auf die Annullierung ihrer Flüge: «Es gab keine Aggressionen.» Bereits am Sonntag und am Montag waren zahlreiche Flüge wegen des Schneechaos gestrichen oder verschoben worden. Trotz steigender Temperaturen müssen Passagiere aber auch weiterhin mit Verzögerungen rechnen. Seit Freigabe der Landebahnen wurden am Dienstag rund 150 Flüge gestrichen, die übrigen Maschinen starteten mit einer Verspätung von bis zu zwei Stunden.

 (ddp/travelpedia)

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Datum: Dienstag, 22. Dezember 2009 16:36
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